TORTOUR 2019 – Durchhalten und dann Geniessen

39 Stunden und 37 Minuten sass Roger Nachbur auf seinem Rad, um die 1053 Kilometer der diesjährigen TORTOUR zu absolvieren. Zweimal zehn Minuten Schlaf gönnte er sich – mehr lag für den Sieger der Solo-Kategorie nicht drin. Gut 450 Teilnehmende nahmen am Ultracycling-Event dieses Wochenende teil und fuhren auf einer der drei Strecken um den Sieg. Solo oder im Team.

Team „mine-ex“ mit Sebastian Fritz und Thomas Schiegg liess sich von Klausen- und Sustenpass sowie diversen Hügeln im Jura nicht bremsen und fuhr mit einem durchschnittlichen Tempo von 28,3 km/h in gut 35 Stunden von Schaffhausen übers Berner Seeland und den Jura nach Schaffhausen. Das bedeutete den Sieg in der 2er-Kategorie der Herren an der TORTOUR „Wir sind glücklich über die vielen zufriedenen Gesichter im Ziel und dankbar, dass wir auch in diesem Jahr keine schweren Unfälle zu verzeichnen hatten“, zieht OK-Präsident Mario Klaus ein positives Fazit. Auch Solo-Sieger Roger Nachbur, welcher das Rennen schon 2017 gewinnen konnte, war glücklich über seinen Sieg, den er eigentlich gar nicht erwartet hätte. „Die Strecke war wunderschön – aber hatte etwas viele Auf und Abs“, meinte er im Ziel schmunzelnd.

Neue Strecke mit Tücken

Die TORTOUR-Strecke wurde auf dieses Jahr von Martin Elmiger und Daniel Riediker neu designt – und kam gut an. Definitiv härter als früher, darüber waren sich alle Teilnehmenden einig. Und trotzdem meinten einige Fahrer im Ziel: „Es war einfach ein geiles Erlebnis.“ Irgendwann im Rennen kamen aber die meisten Teilnehmenden an den Punkt, in dem sie ihr Fahrrad wohl am liebsten hätten links liegen lassen. Ob Sustenpass, Doppel-Etappen mit Team- und Einzelfahren oder einfach der fehlende Schlaf – die TORTOUR kennt viele Tücken. Trotzdem meinten die Sieger der 4er-Kategorie nach ihrer Einfahrt einstimmig, sie wären auch noch weitergefahren. Das ist die TORTOUR: Mit der Ziellinie kommen die Glücksgefühle und das Leiden ist vergessen.

Neuer Schweizermeister

Der TORTOUR-Pokal war nicht das einzige, was dieses Wochenende rund um die Schweiz gejagt wurde: Zum fünften Mal konnten sich die Athleten zur Teilnahme an den Schweizermeisterschaften im Ultracycling anmelden, welche von Swiss Cycling im Rahmen der TORTOUR angeboten wird. In der Kategorie Solo Men gewann Daniel Hassler den Titel, bei den 2er-Teams „mine-ex“ und bei den 4er-Teams „Thömus Sliker Pro Team“. Bei den Damen war Andrina Trachsel die einzige Teilnehmerin, die das Ziel erreichte und holte neben dem Sieg in ihrer Kategorie den Schweizermeistertitel. Sie, wie auch alle anderen Finisher freuten sich im Ziel auf Bratwurst und Pommes Frites: Nach über 40 Stunden mit hauptsächlich Gel-Verpflegung sicherlich ein besonderer Genuss.

Prominentes Feld

„Laureus Switzerland“ mit Miguel Indurain, Martin Elmiger und Philippe Jodin war das schnellste Team mit Prominenten an der diesjährigen CHALLENGE. Sie fuhren auf den zweiten Platz der Kategorie 3er Men. Der vierfache Strassenrad-Schweizermeister Elmiger war direkter Etappen-Konkurrent von Jan van Berkel, Silvan Dillier und Fabian Cancellara. Sowohl aktive als auch ehemalige Profis bewiesen ihre Form: Auf der Strecke Kreuzlingen-Oberriet war Triathlet van Berkel der Schnellste – vor den Ex-Velo-Profis Elmiger und Cancellara. Von Bürglen auf den Sustenpass hatte der ehemalige Schweizermeister Silvan Dillier die stärksten Beine. Die Allerschnellsten in der 3er-Kategorie der CHALLENGE waren aber die Fahrer des Teams „Bär & Karrer 3“ mit Rico Elmer sowie den Schaffhausern Simon Dejung und Roman Stoll. Sie nahmen Indurain & Co 45 Minuten ab und brauchten für die Strecke 18 Stunden und 17 Minuten.

Dominatoren über 550 und 390 Kilometer

Ebenfalls bereits am Freitag als Sieger in Schaffhausen eingefahren ist Rafael Wyss. Er entschied die Kategorie CHALLENGE Solo über 550 Kilometer für sich – vor Thomas Stutz und Bruno Fritsche. „TORTOUR Cycling Club I“ gewann die CHALLENGE-Kategorie 2er Men, „Laureus Phoenix Mecano“ die 2er Mixed. Die kürzeste Strecke über 390 Kilometer wurde bereits zum dritten Mal von Simon Zahner dominiert: In 15 Stunden, 27 Minuten und 52 Sekunden fuhr er ohne Begleitung den TORTOUR SPRINT und gewann nach der Winter-Ausgabe TORTOUR Gravel nun auch im Ultracycling. Den zweiten Platz belegte Herbert Zahner, dritter wurde Michel Kropiwoda. „Laktat statt parat“ war das schnellste 2er-Team, „Neoprop Lichtwerbung“ das schnellste 3er-Team.

Auf zu neuen Ufern

Die 11. Austragung der TORTOUR war zugleich die letzte mit Anfang und Ende in Schaffhausen. „Es zieht uns in die Stadt Zürich“, erklärt OK-Präsident Mario Klaus. Nächstes Jahr wird das Einkaufszentrum Sihlcity den Start und das Ziel beherbergen. „Zürich hat sich aktiv um die TORTOUR beworben und wir freuen uns auf die neue Ausgangslage, welche mit vielen neuen Möglichkeiten aufwartet“, schaut TORTOUR-Inhaber Joko Vogel freudig in die Zukunft. Schaffhausen war elf Jahre lang die perfekte Heimat für die TORTOUR und wird bei allen Athleten, Betreuern und dem Organisationsteam in bester Erinnerung bleiben.

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