1’000 Kilometer mit Bein-Prothese

Jürgen Kallfass ist der erste Athlet, der die 1’000 Kilometer der TORTOUR ULTRACYCLING mit einem Bein in Angriff nehmen wird. 2016 war er noch als Begleitperson unterwegs, nun will er es selbst wissen. Der erfahrene Langstreckenfahrer erhält für die gesamte Strecke vier Stunden mehr Zeit als die übrigen Teilnehmenden und hofft, sich nach dem Rennen als „RAAM qualified Racer“ betiteln zu dürfen. Die Story ist nach der TORTOUR also noch nicht zu Ende…

Jürgen, was sind die besonderen Schwierigkeiten, die dich erwarten?
Einerseits sind es sicherlich die „normalen“ Schwierigkeiten, die jeder Langstreckenfahrer kennt. Als grosse Herausforderung hat sich bei mir immer die Ernährung während des Rennens herausgestellt, welche oft zu Magenproblemen geführt hat. Die zweite Schwierigkeit ist in meinem Fall natürlich der Beinstumpf: Meine Prothese ist über einen so genannten Silikonliner, im Prinzip einen Silikonstrumpf, mit meinem Stumpf verbunden. Das Silikon hat viele Vorteile aber auch einige Nachteile. So ist der Liner nicht atmungsaktiv und die Feuchtigkeit kommt nicht nach aussen. Schwitzen tut man trotzdem und im Schweiss befinden sich Salzkristalle, die Reibung erzeugen. Ein häufiges Wechseln und gute Hygiene sind deshalb Pflicht. Trotz aller Vorbereitung sind der Stumpf und die Prothese immer eine Wundertüte: Während des Rennens kann es von komplett problemlos bis zum Abbruch gehen – und auch während dem Training kann eine kleine Entzündung einen Unterbruch bedeuten.

Und wie sieht es betreffend Strecke aus?
In den Anstiegen macht sich meine Behinderungen am ehesten bemerkbar, da ich natürlich nicht über das selbe Drehmoment verfüge wie jemand mit zwei gesunden Beinen. Daher wird es wichtig sein, gut über die Alpen zu kommen, wobei diese noch recht früh im Rennen sind. Falls es später im Jura wieder die steilen Rampen wie in den Vorjahren gibt, wird das die grosse Knacknuss werden. Mein Velo ist komplett Standard, da gibt es keine Besonderheiten. Die Prothese ist allerdings eine Spezialanfertigung und nur zum Radfahren geeignet. Sie wird direkt und ohne Schuh in die Klickpedale eingeklickt.

Du beschreibst das Radfahren als Sucht – was fasziniert dich?
Ich kenne keinen Sport, in dem die Gefühlszustände weiter auseinanderliegen als im Radsport. Wenn es gut läuft, bist du der König, wenn es schlecht läuft, kann es dich komplett zerlegen. Sowohl physisch als auch psychisch. Mein Training versuche ich irgendwo zwischen diesen beiden Extremen zu gestalten, so dass ich mich am Tag X häufiger als König fühle als auf der anderen Seite der Skala. Dazu gehört aber selbstverständlich auch ein grosses Stück Leidensfähigkeit. Radfahren wie ich es betreibe, basiert darauf, dass ich mir immer wieder ein Ziel setze und versuche, dieses zu erreichen. Ich will zum Beispiel wissen, ob es mir möglich ist, die Qualifikation zum RAAM zu schaffen. Die pure Geschwindigkeit am Radsport fasziniert mich weit weniger als die Frage: Wie weit kann ich gehen? Ständig verschiebt man Grenzen und jede Grenze, die ich verschiebe, bringt mir Freude.

Was erhoffst Du dir von der TORTOUR?
Ich hoffe, mich nach dem Event als „RAAM qualified Racer“ betiteln zu dürfen. Das wäre der absolute Triumph. Es wird ein hartes Stück Arbeit und auch im besten Falle eine ganz knappe Sache. Ich werde aber versuchen, die Faktoren, welche ich beeinflussen kann, auf meine Seite zu drehen. An der TORTOUR selbst hoffe ich dann auf nicht allzu viele unvorhergesehene Stolpersteine. Wenn der Magen und der Stumpf mitspielen, ist schon viel gewonnen.

Weshalb wünschst Du dir die RAAM-Qualifikation?
Das RAAM ist der Langstreckenevent schlechthin. Es ist die Mutter aller Ausdauer-Events. Man kann längere oder härtere Events erfinden – das RAAM wird aus meiner Sicht immer die Krone des Ultracyclings bleiben. Jedes Jahr verfolge ich das Rennen und bin in dieser Zeit auch selbst immer etwas hibbelig. Keine Ahnung warum. Ich werde immer wieder gefragt, ob ich bei einer erfolgreichen Qualifikation auch am RAAM starten möchte. Nein, will ich nicht. Ich bin doch nicht bekloppt! Zwei Tage auf dem Rad mit einer Prothese – könnte sein, dass das geht. Auch wenn ich daran glaube, wissen tu ich es noch nicht. Ich denke rückblickend, dass ich meine Fähigkeiten immer realistisch eingeschätzt habe. Zehn bis zwölf Tage mehr oder weniger nonstop im Sattel, daran glaube ich nicht. Jedenfalls noch nicht…

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